Was macht ein Musical zum Musical?

Außergewöhnliche Musikstunde in der Turmbergschule

 

„Schrubbt die Gruft, macht alles rein, denn bald wird sie bei uns sein“. Erst zaghaft, aber dann immer lauter und kräftiger sangen die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse der Turmbergschule die Zeilen. Es ist der Refrain eines Liedes aus dem Musical „Auf den Flügeln der Macht“, komponiert von Johann Günther.

 

Die Fachleiterin Musik, Andrea Bürgstein, hatte ihren Zehntklässlern im Rahmen ihrer Unterrichtseinheit „Musical“ ein besonderes Bonbon angedeihen lassen und den Komponisten, Musicalproduzenten und Sänger in die Schule eingeladen. Er sollte die Jungen und Mädchen in die Geheimnisse des Musicals einzuführen und ihnen in zwei Stunden eine Ahnung zu vermitteln vom Wesen dieser beliebten Gattung und was seinen Zauber ausmacht.

 

Es ist ihm bestens gelungen. Unbefangen, locker und auf Augenhöhe mit den Jugendlichen erklärte er ihnen zunächst die äußeren Komponenten wie Bühnenbild und Kostüme, streifte Produktion und Werbung und ließ sich sogar über die Finanzierung und seinen eigenen Verdienst befragen. Was zeichnet ein Musical aus? „Musik, Singen und Tanzen“ kam als Antwort und schnell fiel der Begriff „Atmosphäre“.

 

Am Klavier kam der Komponist dann zur Sache und seine Begeisterung war mitreißend und ansteckend. „Spielt einer ein Instrument?“ Ein Junge bekannte sich zum Schlagzeug und ließ sich auf den Rhythmus ein. „Es geht mir weniger darum, dass Ihr ‚schön‘ singt, sondern laut und kräftig“. Obwohl Günther es nicht aussprach, wussten alle, was mit dieser Forderung gemeint war: Emotion, Begeisterung, Leidenschaft. „Die Melodie kommt von selber, wenn Ihr im Groove seid“. Sie folgten ihm. Gerne. Der Funke hatte gezündet.

 

Anhand einer Demo-CD seiner neuesten Komposition ließ Günther seine Zuhörer die Instrumente erkennen. „Was fehlt jetzt noch?“ Eine Geschichte, ein Ausgangspunkt. Sehr menschlich skizzierte er den Jugendlichen die wahre Begebenheit, die er zur Grundlage seiner Komposition „fate & failure“ gemacht hatte. Er habe einen Obdachlosen kennengelernt und dessen Geschichte gehört: Unverschuldet sei er in Armut gekommen und auf der Straße gelandet. Wenn er eines Tages sterbe, so vermisse ihn niemand. Das habe ihn nachdenklich gemacht und fasziniert. So führte der Komponist über die Brücke des eigenen Empfindens die Lernenden zu dem was den Kern der Sache macht: Inspiration durch menschliche Begegnungen.

 

Aber was bedeutet Singen überhaupt? Mittlerweile waren die Schüler längst nicht mehr zurückhaltend. „Der Körper ist das Instrument“, sagte einer. Durch Singen könne man sich öffnen, Singen sei etwas Persönliches. Als letzte, nicht unwichtige Komponente kam Günther noch auf Haltung und Ausdruck zu sprechen. Anschaulich demonstrierte er, wie schon eine winzige Änderung in der Körperspannung die Aussage verändert. Und „keinen Bock“ wollten sich die Schüler nicht nachsagen lassen: „Schrubbt die Gruft“ klang es jetzt aus vollem Hals. Jetzt war Leben in der Bude.

 

Rektorin Karin Sebold hatte der außergewöhnlichen Unterrichtsstunde eine Weile lang zugesehen und war ebenfalls begeistert, sowohl vom Gebotenen, als auch wie es von den Schülern angenommen wurde.

 

Fotos: Lother

 

Mit freundlicher Genehmigung der BNN

Druckversion Druckversion | Sitemap

STARTSEITE  AKTUELLES  TERMINE  SPEISEPLAN MENSA   KONTAKT

Tel.: 07244/706386
Mail: poststelle@turmbergschule-weingarten.schule.bwl.de