"Der dritte Pädagoge ist der Raum"

Die Gemeinschaftsschule ist in Weingarten seit Herbst schon tägliche Praxis

 

Von unserem Redaktionsmitglied Jörg Uwe Meller

 

Weingarten. "Der dritte Pädagoge ist der Raum." Man merkt Karin Sebold den Enthusiasmus an, wenn sie von der Arbeit in der Gemeinschaftsschule spricht. Was für viele Schulleiter noch Wunsch und Theorie ist, wird an der Weingartener Turmbergschule seit diesem Schuljahr bereits in die Praxis umgesetzt. Der Normalbürger, der gerade seine ersten Blicke in speziell gestaltete Lernateliers und Inputräume geworfen hat, hinkt noch ein paar Schritte hinterher. Der erste Pädagoge ist zweifellos der Lehrer. Aber wer ist der zweite? "Der Schüler", sagt Karin Sebold, "denn die Kinder lernen auch von einander." 44 werden in den beiden fünften Klassen der Turmbergschule unterrichtet. Sie kommen aus elf verschiedenen Grundschulen, unter anderem aus Stutensee, Durlach und Bruchsal, knapp die Hälfte aus Weingarten.

 

Gemeinschaftsschule bedeutet Berücksichtigung aller Bildungsstandards: von der Hauptschule bis zum Gymnasium. "Wir orientieren uns am Lehrplan der Realschule als dem mittleren Niveau", sagt Konrektor Jürgen Holderer. "Bis 2015 sollen die Bildungspläne für die Gemeinschaftsschulen fertig sein."

 

Gemeinschaftsschule bedeutet auch Lernen auf verschiedenen Niveaustufen. "In den Hauptfächern Deutsch und Mathematik wählen die Schüler Aufgaben aus drei verschiedenen Niveaustufen aus ? einfach, schwieriger und schwer ? und bearbeiten sie", erklärt Holderer. In einer Lernjobliste tragen die Schüler ein, welche Teilkompetenzen innerhalb eines Kompetenzrasters sie bewältigt haben. Im Kompetenzraster Mathematik könnte dies zum Beispiel sein: "Ich kann Zahlen im Zweiersystem angeben." Das Kompetenzraster ist nichts anderes als der Bildungsplan.

 

Die Selbsteinschätzung des Schülers muss von seinem Lerncoach gegengezeichnet werden. Das sind fünf Lehrer, die in den beiden fünften Klassen jeweils acht oder neun Schüler betreuen, sie beraten, Zielvereinbarungen festlegen. In einem Wochenplan tragen die Schüler ein, was sie an Aufgaben erledigen wollen. Jede Woche finden Bilanzgespräche mit den Lerncoachs statt.

 

"Die Schüler führen Lerntagebücher, die sie über das Wochenende nach Hause nehmen", sagt Holderer. Darin halten sie fest, was sie planen, woran sie gerade arbeiten und was sie bereits erledigt haben ? ein wichtiges Kommunikationsmittel für die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern. "In regelmäßigen Abständen holen wir die Eltern zu den Bilanzgesprächen dazu, damit sie einen Überblick haben."

 

"Es gibt keine Noten mehr, nur noch Beurteilungen", sagt Karin Sebold. "Auch die Halbjahresinformation hat die Form einer Beurteilung: Hat sich der Schüler verbessert? Oder hat er sich verschlechtert?" Bei Tests muss es sich nicht immer um eine schriftliche Arbeit handeln: "Es kann auch ein Gedicht sein, das vorgetragen wird, oder eine Buchvorstellung.

 

"Von den Schülern", sagt Karin Sebold, "kommen nur positive Rückmeldungen. Sie gehen gerne in die Schule und haben das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Das Ziel ist es, sich an den Stärken des Schülers zu orientieren. Dadurch hat er mehr Spaß und entwickelt mehr Selbstbewusstsein. Unter Zwang arbeiten ist schlecht. Die Schüler brauchen Motivation. Motivation ist das A und O.""Hat der Schüler auf einem unteren Niveau gute Leistungen und ein Erfolgserlebnis erzielt, ermuntern wir ihn, sich an schwierigere Aufgaben zu machen", erläutert Holderer.

 

Während ein Lehrer mit einer kleineren Schülergruppe arbeitet, können Schüler, die schon weiter sind, sich selbstständig mit anderen Aufgaben beschäftigen. Das ermöglicht es, das Lernprogramm individuell auf die einzelnen Schüler zuzuschneiden.

 

Denn die Gemeinschaftsschule soll jedes Kind zu seinem höchstmöglichen Abschluss fördern, bis hin zum Abitur nach Klasse 13. "Schwache Schüler haben die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nach Klasse neun oder Klasse zehn zu machen", erklärt Karin Sebold. "Es gibt kein Sitzenbleiben mehr."

 

Die Rolle des Lehrers verändert sich: Er vermittelt nicht mehr nur Wissen, sondern berät, unterstützt, regt an, koordiniert und gestaltet den Lernprozess, ist Lernbegleiter und Mentor des Schülers. Auch die Kooperation im Kollegium ist grundlegend anders. Die Lehrer arbeiten im Team zusammen, zu dem jetzt Lehrer aller Schularten gehören, auch Realschul- oder Gymnasiallehrer. "Wir müssen sehr viele Absprachen treffen", so Karin Sebold. Die Teamarbeit bedeutet für die Kollegen viel Aufwand. "Aber der Wunsch, dass wir in Richtung Gemeinschaftsschule gehen, ging vom Lehrerkollegium aus", hebt Jürgen Holderer hervor.

 

Die Hälfte der Schüler ist aus der Nachbarschaft

 

LERNEN LERNEN: Die Kinder werden in der Turmbergschule zur Selbstständigkeit erzogen. Zwei Lernateliers bieten individuelle Arbeitsplätze und -materialien.

Fotos: Lother

 

Mit freundlicher Genehmigung der BNN

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